Bündnis „erlassjahr.de“ startet Kampagne gegen Verschuldung von Entwicklungs- und Schwellenländern

Pressemitteilung der Evangelischen Kirche Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz

Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm fordern mehr Einsatz für globale Gerechtigkeit

Das Bündnis „erlassjahr.de“ und das Bischöfliche Hilfswerk Misereor haben heute in Berlin den „Schuldenreport 2016“ vorgestellt. Er gibt einen Überblick über die Verschuldungssituation von Entwicklungs- und Schwellenländern. 108 von ihnen – und damit mehr als in den Vorjahren – werden in dem Bericht als kritisch verschuldet aufgeführt. Bei der Veröffentlichung ihres Schuldenreports wurde die Dringlichkeit eines unabhängigen Insolvenzverfahrens für verschuldete Staaten hervorgehoben.

Die dramatische Verschuldung in immer mehr Ländern nimmt „erlassjahr.de“ zum Anlass für seine neue Kampagne „Debt20“: Die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten werden bei ihren Gipfeltreffen 2016 und 2017 mit 20 Stellungnahmen aus den am meisten verschuldeten Ländern konfrontiert.

Zum Auftakt der Kampagne rufen die evangelische und die katholische Kirche dazu auf, die Zusammenarbeit der internationalen Staatengemeinschaft auszubauen. „So wichtige Aufgaben wie die Bekämpfung von Fluchtursachen und die Aufnahme von Flüchtlingen, der Klimaschutz und die Terrorismusbekämpfung, die Befriedung des Nahen Ostens und der Aufbau eines fairen Welthandels- und internationalen Finanzsystems lassen sich nur gemeinsam lösen“, schreiben der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in einem Geleitwort für die Kampagne. Sie erinnern dabei an die 1980er Jahre: „Damals haben die reichen Länder in der globalen Staatsschuldenkrise die Stimmen der überschuldeten Länder nicht hören wollen. Vielmehr entschieden sie allein darüber ob und, wenn ja, wie viele Schulden erlassen werden sollten. Die verschuldeten Länder wurden gezwungen, primär die Forderungen ihrer Gläubiger zu bedienen. Dies trug zusammen mit anderen Problemen dazu bei, dass in den Schuldnerländern Millionen von Menschen in Armut verharren mussten.“

Die beiden Vorsitzenden fordern unter Bezugnahme auf das im Rahmen der Reformationsdekade ausgerufene Themenjahr 2016 „Reformation und die Eine Welt“ sowie auf die Enzyklika Laudato si‘ von Papst Franziskus, „die Kriterien der globalen Gerechtigkeit engagiert in die politischen Entscheidungsprozesse einzubringen“. Zusammen rufen sie in ihrem Geleitwort Gemeinden, Solidaritäts- und Partnerschaftsgruppen sowie kirchliche Organisationen auf, sich der Kampagne von „erlassjahr.de“ anzuschließen und die Forderung nach einem rechtsstaatlichen Verfahren für überschuldete Länder zu unterstützen.

Hintergrund

„erlassjahr.de – Entwicklung braucht Entschuldung“ ist das größte entwicklungspolitische Bündnis in Deutschland mit Mitträgerorganisationen aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft. Zu den derzeit über 600 Mitträgerorganisationen gehören Landeskirchen, Diözesen, entwicklungspolitische Organisationen, Eine-Welt-Gruppen, Vereine, Kirchengemeinden und Weltläden. „erlassjahr.de“ ist eingebunden in ein weltweites Netzwerk von über 50 ähnlichen Kampagnen und Bündnissen. Sie alle wollen es nicht hinnehmen, dass untragbar hohe Schulden in vielen Ländern des Südens wichtige Investitionen in Gesundheit, Bildung und Infrastruktur unmöglich machen.

 

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