Ilsegret Fink: Luther und sein Antijudaismus

Wer über Martin Luther spricht, darf seinen folgenschweren Hass gegen Juden nicht verschweigen. Seine Schrift: „Von den Juden und ihren Lügen“ ist fast vierhundert Jahre später zum fatalen Drehbuch des größten staatlich organisierten Judenprogroms der deutschen Geschichte geworden. Das war der Auftakt einer angeblich wissenschaftlichen Rassenlehre, durch die im II. Weltkrieg dann europaweit 6 Millionen Juden ermordet wurden. Heute muss die Frage beantwortet werden, warum Antijudaismus das christliche Abendland – also so auch Luther–   geprägt hat.

 

Judenprogrome fanden aber bereits Jahrhunderte vor der Kreuzigung Jesu statt: In der Diaspora wurden Juden mit Feuerofen oder eine Löwengrube bestraft, wenn sie sich weiterten dem vergöttlichen Herrscher zu huldigen.

Der Kern des gesellschafts- und machtpolitischen Antijudaismus ist nicht erst die Kreuzigung Jesu – der Jude war, sondern die die Gesellschaft und Kirche ständig kritische Botschaft des Alten Testamentes: das Recht und Pflicht zur Sklavenbefreiung.  Weil Menschen Gottes Ebenbild sind, darf keiner versklavt, aber auch kein Herrscher vergöttlicht werden. Als Sünde gilt, wenn die Nachkommen der einst durch Moses aus Ägypten befreiten Hebräer, sich doch wieder wie Sklavenhalter benehmen. Dieser gesellschaftskritische Ansatz ist bis heute Herausforderung nicht für die Christenheit. Die alttestamentliche Forderung „um Gottes Willen“, Ausbeutung des Menschen durch Menschen und Benachteiligung durch Klassen nicht zuzulassen, fordert herrschaftskritisch die Befreiung aller Sklaven, denn Sklavenbefreiung ist das wichtigste Tätigkeitsmerkmal des „Gottes der Väter“. Und die zehn Gebote der mit Moses geflüchteten Sklaven sind Leitlinie für ihr zukünftiges Handeln: allen Menschen gebührt gleiche Ehre, deshalb kritisieren die Propheten öffentlich im Namen Gottes sogar Priester und Regierungen. Aber gerade dieser Anforderungen nach Befreiung bekämpfte Luther die Bauern, die doch erst durch seine Reformation ermutigt worden waren als sie für ihre Befreiung schließlich verzweifelt zu den Waffen griffen. Antijudaismus ist kein Rassismus, sondern bekämpft die biblisch gebotene Gleichberechtigung aller Menschen in Gerechtigkeit und Frieden leben können. Luther selber blieb leider in mittelalterlicher Gehorsamspflicht und Teufelsangst befangen. Uns bleibt heute die befreiende Reformation endlich zu radikalisieren! Inzwischen nicht wegen, sondern mit Papst Franziskus.

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