Viola Schubert-Lehnhardt: Rezension: Müntzer. Keine Randbemerkung

Müntzer. Keine Randbemerkung der Geschichte. Hrsg. vom Landkreis Mansfeld-Südharz und der Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt Verlag Janos Stekovics 2017, ISBN 978-3-89923-378-0, 351 S.

Wer es nach dem Jubiläum anlässlich 500 Jahre Reformation schlicht satt hat, über Martin Luther zu lesen oder zu hören, dem sei dieser Band zu Thomas Müntzer und seinen Wirkungsstätten empfohlen. Nicht nur zum Lesen, vor allem auch zum Schauen: die Bilder vom Mansfelder Land sind schlicht eine Augenweide – ein großes Dankeschön an den Fotografen Janos Stekovics und seinen Verlag, der eine solche exzellente Qualität der Wiedergabe ermöglicht hat. Insofern ist der vorliegende Band nicht nur eine Anregung mehr über einen Zeitgenossen Luthers zu erfahren, sondern er ist auch Anregung, diesen Teil Deutschlands zu besuchen, seine Ortschäften, Kirchen Denkmäler und Landschaften näher zu betrachten. Das Buch dürfte daher nicht nur für historisch Interessierte interessant sein, sondern auch für Menschen die Architektur lieben, Kulturlandschaften oder einfach tolle Fotografien.

Es beginnt logischerweise mit einem Beitrag von Rose-Marie Knape „Zur historischen Kulturlandschaft Mansfeld-Südharz“ – ach, die Rezensentin könnte sofort aufhören zu lesen und möchte loswandern…

Unter der Überschrift „Aber am Volk zweifle ich nicht…“ wird in 11 Beiträgen Müntzers Werdegang beschrieben. Erster Schwerpunkt ist dabei seine Tätigkeit in Allstädt. Beschrieben wird insbesondere seine Tätigkeit als „Seelwärter“, die Gottesdienstreform und die „Fürstenpredigt“. Nächster Schwerpunkt ist natürlich sein Wirken im Bauernkrieg. Hierzu gibt es auch eine katholische Perspektive durch Stephan Mokry. Und es werden sowohl die Unterschiede im Werdegang Luthers und Müntzers dargestellt, die letztendlich ihre unterschiedlichen Positionen begründen. Vergessen wird gleichfalls nicht Müntzers Ehefrau, Ottilie Müntzer, geborene von Gersen – auch dafür ein besonderer Dank! Ist dies doch leider keineswegs selbstverständlich, dass in Büchern über „große Männer“ auch deren Frauen Erwähnung finden – noch dazu nicht nur in kurzen Bemerkungen oder Fußnoten, sondern in einem eigenen Kapitel!

Der Band ist außer den wunderschönen Landschaftsaufnahmen auch reich bebildert mit Originalflugblättern aus dem Bauernkrieg – sowie dessen Würdigung anlässlich des 500. Geburtstages von Thomas Müntzer, Gedenkmedaillen, Briefmarken, Biergläsern und ähnlichen Devotionalien aus DDR-Zeiten. Es gibt auch ein Kapitel zu Wertungen über Müntzer und den Bauernkrieg in den ostdeutschen Schulbüchern von 1945 bis 1990, hier hätte sich die Rezensentin etwas ähnliches zu den Schulbüchern in Deutschland West gewünscht. Gleichwohl werden bisherige Forschungspublikationen dargestellt und ergänzt: es gab in letzter Zeit eine Reihe neu entdeckter Dokumente, die zum Teil schon in die vorgelegte Wertung eingeflossen sind, zum Teil noch weiterer Auswertung bedürfen. Insofern ist das Buch nicht nur eine Fundgrube für Betrachtungen zur Reformation und einem seiner wichtigsten Akteure, sondern auch Anregung für weitere Recherchen.

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