Viola Schubert-Lehnardt: Rezension: Christliches in den Parteien

Christliches in den Parteien. Wie sie sich selbst sehen.

Echter Verlag Würzburg, 2018, ISBN 978-3-429-05329-1, 107 S.

Das Buch ist als „Nachfolge“ eines satirischen Taschenbüchleins „Christliches in der AfD“ entstanden – jenes ist ein himmelblaues Heft mit überwiegend leeren Seiten, denn so die Herausgeber „man habe recherchiert und nichts gefunden1“. Die Resonanz war jedoch freundlich und an den Verlag wurde das Anliegen herangetragen, „das Verhältnis auch anderer Parteien zum Christentum näher zu betrachten“. Dazu wurden die religionspolitischen SprecherInnen 2von CDU, FDP, AfD, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen um eine Stellungnahme gebeten und deren Beiträge unkommentiert abgedruckt, damit sich die LeserInnen ein eigenes Bild machen können.

Insofern ist bei den Texten zu den einzelnen Parteien natürlich Tenor, dass das „christliche Menschenbild“ ihr Handeln bzw. das Parteiprogramm präge. Interessanter ist daher zu lesen, welche Beispiele zur Veranschaulichung gewählt bzw. welche zentralen Begriffe benutzt werden.

Die CDU sei die „politische Heimat für Christlich-Soziale, Liberal-Freiheitliche und Wertkonservative“ (S. 12), entsprechend wird im Text bedauert, dass Linke, Grüne und FDP das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche kippen wollen (s. S. 14). Dass diese Position im Widerspruch zum gleichfalls im Text zu findenden „gebotenem Respekt vor der Meinung anderer“, der zum christlichen Menschenbild gehöre, (S. 19) steht, wird von der Autorin A. Kramp-Karrenbauer geflissentlich übersehen.

Lars Castellucci stellt seinen Beitrag unter die Überschrift „Kirche und SPD – Eine produktive Partnerschaft“ und versucht die Veränderungen im Verhältnis Sozialdemokratie – Kirche vom 19. Jahrhundert bis heute zu erläutern. Dazu zieht er die Arbeitsfelder Migration und Pflege heran.

Die Vertreter der AfD betonen die Notwendigkeit einer christlich-konservativen Politik und bekennen sich zum jüdisch-christlichen Menschenbild, „das die menschliche Vernunft nicht als letzte Instanz begreift“. Die Ironie dieser Aussage angesichts der aktuellen Politik ist den beiden Autoren Volker Münz und Michael Frisch, wohl entgangen. Im Text wird wieder das altbekannte Leitbild von traditioneller Ehe und Familie beschworen und der mangelnde Protest aus den Reihen der CDU für „Ehe für alle“ moniert. Weitere Defizite werden bei der „Asyldebatte“ gesehen.

Kernidee des Beitrags von Stefan Ruppert zur FDP ist der Umgang mit Freiheit; hier wird eine starke Parallele zum Christentum gesehen. Gleichzeitig grenzt sich auch die FDP ein Stück weit von früher vertretenen Positionen ab und betont, dass sie staatliche Neutralität nicht mit Laizismus gleichsetze (S. 59). „Demut“ wird von ihr als wichtiges Bindeglied zwischen Liberalismus und Christentum angesehen (vgl. S. 62).

Von der LINKEN gibt es gleich zwei Beiträge. Zunächst begibt sich Helge Meves auf „Spurensuche“ nach Linkem im Christentum bei Terullian und Erasmus, dann erläutert Christine Buchholz, warum sich auch die LINKE für Religionsfreiheit einsetzt („Sie ist ein Menschenrecht und diese gelten gelten für alle“). Schwerpunkte der beiden Beiträge sind erwartungsgemäß Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden.

„Bündnis 90/Die Grünen: wertorientierte Partei der Vielfalt, sozialen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“ – so die Überschrift von Konstantin von Notz. Klima retten, Umwelt schützen sind die ersten Schwerpunkte. Dann geht es um Kirchen als zweitgrößtem Arbeitgeber in Deutschland.

Die Rezensentin hat sich bemüht, das Anliegen der Herausgeber nach unkommentierter Darstellung beizubehalten, denn auch sie möchte zum Selbstlesen und –werten einladen.


1  Christliches in der AfD. Echter Verlag 2018, S. 7-11

2  die genaue Bezeichnung differiert in den einzelnen Parteien

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