Martin Luther in seiner Zeit

Eine herausfordernde Sicht auf Frauen, Bauern, Juden und Muslime.

Am 25. Mai 2017 fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Rosa-Luxemburg-Stiftung zum evangelischen Kirchentag im Rosa Salon eine Podiumsdiskussion zu Martin Luthers umstrittenen Sichtweisen auf Frauen, Bauern, Juden und Muslime statt. Im folgenden wird diese journalistisch überarbeitet wiedergegeben.

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Franz Segbers: Zinsverbot und Schuldenerlass.

Beim Wort genommen

Deutscher Evangelischer Kirchentag, Berlin, Donnerstag 25. Mai 2017

 „Wir halten es nicht mehr aus!“ Mit diesem Appell richteten griechische Theologen und Theologinnen einen verzweifelten Appell an den letzten Kirchentag in Stuttgart. Darin fordern sie: „Wir plädieren für eine internationale Schuldenkonferenz für Griechenland, vergleichbar der Londoner Schuldenkonferenz 1953, auf der Deutschland ein Großteil der Schulden erlassen wurde.“ Seine Schulden zu zahlen gilt als eine selbstverständliche moralische und auch rechtliche Pflicht. Doch diese vermeintliche moralische Selbstverständlichkeit ist ökonomisch keineswegs selbstverständlich, denn nach der ökonomischen Lehre ist die Kreditvergabe immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Dies ist auch der Grund für die Risikoprämien bei der Kreditvergabe. Ökonomisch gilt, dass derjenige, der den Nutzen hat, auch den Schaden tragen muss. Doch nicht allein ökonomisch ist Kreditvergabe immer mit einem Risiko verbunden, es kann auch politische Gründe geben.

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Gemeinwirtschaft stärken

Auf der Flugschriftverantstaltung „Den Kapitalismus überwinden. Mit Luther, Marx & Papst.“ am 25. Mai in der Emmauskirche in Berlin ruft Bodo Ramelow zu mehr genossenschaftlichen Handeln auf. Der Gedanke der Gemeinwirtschaft sei trotz der Fehlerentwicklungen von „Neue Heimat“ und „KOOP“ durchaus richtungsweisend. Er will auch künftig für konkrete Veränderungen für die Menschen eintreten, wie eine gute Gesundheitsversorgung für alle, statt renditeorientierte Krankenhauskonzerne, für eine Rente die von allen erwirtschaftet wird und deshalb auch nicht den Kapitalmärkten ausgeliefert werden darf, sondern in einem gerechten Umverteilungssystem in das alle Einkommen einbezogen werden müssen, auch Vermögenseinkommen ohne Bemessungsgrenzen, sondern nach Leistungsfähigkeit. Für eine solche Bürgerversicherung für Rente und Gesundheit würde er auch künftig werben.

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Ilsegret Fink: Luther und sein Antijudaismus

Wer über Martin Luther spricht, darf seinen folgenschweren Hass gegen Juden nicht verschweigen. Seine Schrift: „Von den Juden und ihren Lügen“ ist fast vierhundert Jahre später zum fatalen Drehbuch des größten staatlich organisierten Judenprogroms der deutschen Geschichte geworden. Das war der Auftakt einer angeblich wissenschaftlichen Rassenlehre, durch die im II. Weltkrieg dann europaweit 6 Millionen Juden ermordet wurden. Heute muss die Frage beantwortet werden, warum Antijudaismus das christliche Abendland – also so auch Luther–   geprägt hat.

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Erstes Konzept zu den Aktivitäten der RLS anlässlich des Gedenkens an 500 Jahre Reformation und zur Präsentation der RLS auf dem 36. Deutscher Evangelischer Kirchentag vom 24. – 28. Mai 2017 in Berlin

wird ein Priester erschlagen, so liegt ein Land im Interdict: warumb auch nit, wenn ein Baur erschlagen wird? Wo kumt her solchs gross Unterscheid unter den gleichen Christen?“  Martin Luther an den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung (1520)

 

1. Zur politischen Situation im Vorfeld des Kirchentags 2017

Das Jahr 2017 steht unter dem Eindruck des Sieges Donald Trumps in den USA, des Sieges der Befürworter eines Brexit in Großbritannien, dem zunehmenden Gewicht rechter und rechtspopulistischer Parteien in Deutschland und Europa, der Krise der EU – sichtbar vor allem in den ungelösten Fragen des Umgangs mit Geflüchteten. All dies ist letztlich auch das Ergebnis einer neoliberal ausgerichteten Politik und ihrer sozialen und institutionellen Entkernung auch der parlamentarischen Demokratie, die seit langem von weiten Teilen der politischen Klassen – einschließlich der Sozialdemokratie mitgetragen wurde.

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Michael Ramminger: Herr de Maizière

Sehr geehrter Herr de Maizière,

Als protestantischer Christ sollten Sie doch eigentlich wissen, dass man anderen Leuten am Sonntagmorgen nicht schon dieselbe Miesepetrigkeit aufzwängen sollte, mit der man selbst herumläuft. Haben sie aber gemacht mit ihren Thesen zur „deutschen Leitkultur“. Die sind nämlich keine ernsthafte Einladung zur Diskussion, sondern ziemlich elendiger Ausdruck nationalprotestantischer Weltdeutung.

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„Q“ – szenische Lesung nach dem Roman von ‚Luther Blissett‘

1517 – 1555: Fast vierzig Jahre ist er, der so oft seinen Namen zu wechseln gezwungen ist, dabei. Keine fromme oder unfromme Ketzerei lässt er aus. Keinen Aufstand gegen die klerikale und fürstliche Macht verpasst er. Als Vertrauter Thomas Müntzers wird dessen Credo – „alles gehört allen“ – auch zu seinem. Die Niederlage im Bauernkrieg (1525) lässt ihn als einen der wenigen Überlebenden zurück. Bei den Wiedertäufern trägt er die Verantwortung zur Verteidigung der Stadt Münster, aus der das neue Jerusalem werden soll. Er feiert mit, bei den ausgelassenen Festen der Siege; er wird Zeuge der Verwandlung revolutionärer Ambitionen in religiösen Wahn, beim Umschlag von Befreiung in Terror; er wandert durch ‚das Europa der gescheiterten Aufstände‘, durch verlorene Schlachten und Niederlagen, die Verzweiflung erzeugen und Resignation nahelegen.

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Das Abc des Nachbarn Andres

neues-deutschland.de / 23.12.2006 / Rosemarie Schuder

Karlstadt – ein Theologe und aufrührerischer Geist, der zu Weihnachten Anno Domini 1541 starb

Der Feiertag für Christi Geburt wurde zum Todestag für den unbeugsamen Reformator Andreas Bodenstein alias Karlstadt. Am 24. Dezember 1541 endete sein Lebensweg in Basel. Er hatte als Professor der Theologie an der Universität in Wittenberg gelehrt, einer seiner Studenten war Martin Luther, den er 1512 zum Doktor der Theologie promovierte. Nur dreizehn Jahre später verwies ihn der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, als gefährlichen »aufrührerischen Geist« aus seinem Land. Sein ehemaliger Schüler Luther gab den Ratschlag, ihm »ewigliches Schweigen« zu gebieten. Nach Jahren der Flucht fand Karlstadt Aufnahme an der Basler Universität und der Kirche St. Peter. Hier konnte er wieder seine Gedanken verkünden, die weit über Glaubensfragen hinaus die brennenden sozialen Probleme der Zeit aufgriffen.

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