Michael Ramminger: Die Linke und die Religionskritik

aus: Die Kritik der Religion. Der Kampf für das Diesseits der Wahrheit
Franz J. Hinkelammert, Urs Eigenmann, Kuno Füssel, Michael Ramminger 
Edition ITP-Kompass, Bd. 21, Münster 2017,ISBN: 978-3-9816982-4-4

„Religionen sind totalitäre Ideologien. Sie dürfen in einer Demokratie nur existieren, solange sie täglich aufs Schärfste angegriffen werden können.“ hieß es in einem Artikel der taz1 2015. Prägnanter kann man wohl einen bestimmten Typus linker, deutscher Religionskritik nicht auf den Punkt bringen. Dieses Ethos der Demokratie und der offenen Gesellschaft unter Rückgriff auf das berühmte „Opium für das Volk“ hat schon etwas Bewundernswertes. Andere sind da ob des ausbleibenden Absterbens der Religion und ihrer Wiederkehr in deren Beurteilung etwas zurückhaltender. Jan Rehmann2 z.B. vermutet, dass es eine „postmarxistische Linke“ gibt, die ob der Verkürzungen der marxistischen Religionskritik und des Zusammenbruchs des Staatssozialismus Religionen durchaus einen legitimen Platz in der lebensweltlichen Sinngestaltung zuweisen.3 Und spätestens seit den Anschlägen von 2001 ist dazu noch einmal das Phänomen eines erstarkenden islamischen Integralismus oder Islamismus gekommen, das den postkolonial imprägnierten Linken verwirrt vor der Frage zurücklässt, ob er jetzt eher vor der „Religion als totalitärer Ideologie“ oder der Gefahr der Islamophobie warnen soll.4 „Die dramatische weltweite Rückkehr der Religionen und ihre Bedeutung als öffentliche Macht hat die meisten von uns überrascht, ob wir nun Sozialwissenschaftler sind oder nicht“, hatte schon ein Jahr zuvor Martin Riesebrodt geschrieben.5

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Revolution und Reformation

Seminar der Rosa-Luxemburg-Stiftung auf dem evangelischen Kirchentag 2017 zu Revolution und Reformation. Luther, Müntzer, Marx.

Revolution als tiefgreifender gesellschaftlicher Umbruch begriffen. Wie kann man zu einem solchen tiefgreifenden Umbruch als Linke kommen? Dieser Frage geht diese Veranstaltung am Freitag Nachmittag 26. Mai 2017 auf dem Kirchentag nach. Reformation ist eine Bewegung, die ihre Wurzeln in der Hussitischen Bewegung hat, in der Reformationsbewegung in England und den humanistischen Bewegungen. Martin Luther, Thomas Müntzer und Karl Marx werden hier genauer betrachtet. Ulrich Duchrow, Befreiungstheologe und Mitbegründer von Kairos Europa, Julia Lis vom Institut für Theologie und Politik Münster, Michael Ramminger, ebenfalls vom Institut für Theologie und Politik, Kacem Gharbi, muslimischer Befreiungstheologe werden diesen Fragen auf den Grund gehen. Cornelia Hildebrandt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung moderiert die Veranstaltung

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Prof. Ulrich Duchrow : Mit Luther, Marx und Papst Franziskus gegen Kapitalismus

Prof. Ulrich Duchrow

Der Kapitalismus – also die vom Kapitalwachstum angetriebene imperiale Wirtschaft und Lebensweise als Gesamtzivilisation – muss überwunden werden, auch wenn noch nicht klar ist, wie das im Einzelnen geschehen kann und wird. Denn Ausbeutung, Ausgrenzung, soziale Spaltung und ökologische Zerstörung sind im Kapitalismus so untrennbar miteinander verbunden, dass ihn ein schöner, aber begrenzter Planet nicht auf Dauer als Parasit ertragen kann. Von daher ist das klare »Ja« zur Überwindung der geldgetriebenen Zivilisation und damit ein klares »Nein« zur kapitalistischen (Un-)Ordnung die unabdingbare Grundlage von allem Weiteren.

Für die Bewusstwerdung der Bevölkerung auch in den Breiten, die noch zu profitieren meinen, ist es deshalb von außerordentlicher Bedeutung nachzuweisen, dass die Propheten, die Tora, der Buddha, Jesus, Mohammed, die Reformbewegungen im Mittelalter, Luther und andere Reformatoren bis hin zur heutigen Ökumene und Papst Franziskus aus theologischen und philosophischen Gründen Nein zum Geldfetischismus auf dessen verschiedenen Entwicklungsstufen sagen.

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Gemeinwirtschaft stärken

Auf der Flugschriftverantstaltung „Den Kapitalismus überwinden. Mit Luther, Marx & Papst.“ am 25. Mai in der Emmauskirche in Berlin ruft Bodo Ramelow zu mehr genossenschaftlichen Handeln auf. Der Gedanke der Gemeinwirtschaft sei trotz der Fehlerentwicklungen von „Neue Heimat“ und „KOOP“ durchaus richtungsweisend. Er will auch künftig für konkrete Veränderungen für die Menschen eintreten, wie eine gute Gesundheitsversorgung für alle, statt renditeorientierte Krankenhauskonzerne, für eine Rente die von allen erwirtschaftet wird und deshalb auch nicht den Kapitalmärkten ausgeliefert werden darf, sondern in einem gerechten Umverteilungssystem in das alle Einkommen einbezogen werden müssen, auch Vermögenseinkommen ohne Bemessungsgrenzen, sondern nach Leistungsfähigkeit. Für eine solche Bürgerversicherung für Rente und Gesundheit würde er auch künftig werben.

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Helge Meves: Alles nur Opium des Volkes, alles nur Seufzer?

In der Linken wird die Frage nach der Religion nicht selten mit dem Hinweis darauf, dass das eh‘ alles „Opium des Volkes“ oder „Seufzer der Kreatur“ seien. Aber was meint Marx damit und was sind die Konsequenzen daraus?

Alles nur Opium des Volkes, alles nur Seufzer? Über Vorschein und Praxis utopischer Religionen bei Marx und die Hybris einiger aufklärerischer Religionskritiker. In: Neues Deutschland vom 23. Mai 2017, Schwerpunkt, S. 18. [Der Essay erschien in der Printausgabe ohne Download als .pdf sowie online textidentisch mit Textnach- und Hinweisen]  Online  und Download als .pdf

RLS-Paper: Kapitalismus als Religion – aktualisierte Neuauflage erschienen

Dokumentation von Beiträgen des Seminars auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2013. Aktualisierte Ausgabe 2017.

Als PDF hier herunterladen.

Beiträge von Ulrich Duchrow, Franz Hinkelammert, Franz Segbers und Michael Brie.

«… dass es so weiter geht, ist die Katastrophe», schreibt Walter Benjamin schon in den 1930er Jahren, damals angesichts der faschistischen Gefahr und des drohenden zweiten Weltkriegs. Er befragt den Absolutheitsanspruch des Kapitalismus, der sich alternativlos längst als Religion gebärdet – Kapitalismus als Religion. Aber gerade die Alternativlosigkeit wird immer wieder von Linken (Christen, Marxisten, Sozialisten) in Frage gestellt. So wird in der Theologie der Befreiung seit vierzig Jahren der Kapitalismus auch darauf hin befragt, ob er mit seinen vielfältigen Formen individueller und kollektiver «Bestrafung» (vom Mangel an Essen, Kleidung, Gesundheitsversorgung, Wasser, Bildung bis zum Mangel an Arbeit, sozialen und demokratischen Rechten, von Embargo bis zum Krieg) sich nicht längst als Religion gebärdet? Was bedeutet es heute konkret, wenn Kapitalismus zur Religion wird? Wo müssen Gesellschaftskritik und Kämpfe um gesellschaftliche Alternativen heute ansetzen?

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95 Thesen für die Reformation des Finanzkaptialismus

Banken zu Pflugscharen

Gemeinsam wider die Herrschaft der Finanzmärkte

Gemeinsam wider die Herrschaft der Finanzmärkte über Demokratie, Gesellschaften, Europa und die globalen Verhältnisse.

Zeit für eine neue Reformation

In Anlehnung an Luthers Thesen vor 500 Jahren sind heute 95 Thesen formuliert, die die Auswüchse der Macht der weltweiten Finanzmärkte auf Menschen und Gesellschaften thematisieren.

Diese Thesen wurden bereits von zahlreichen Politikerinnen, Politikern unterschiedlicher Parteien, von Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern, Theologinnen und Theologen, Künstlerinnen und Künstlern unterstützt.

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„Die Reformation radikalisieren – provoziert von Bibel und Krise“

Vortrag in der Methodistischen Universität von São Paulo, 27. September 2016

von Ulrich Duchrow

Es ist mir eine große Freude und Ehre, an der Methodistischen Universität von São Paulo einen Vortrag über die Radikalisierung der Reformation halten zu dürfen. Denn ich verstehe die Entstehung der methodistischen Kirche bereits als eine Radikalisierung der Reformation. Radix heißt die Wurzel und meint in diesem Zusammenhang die Schriften des Ersten und Zweiten Testaments. Radikalisierung meint also hier: die Prüfung
der Tradition an der Schrift im ursprünglichen und jeweils gegenwärtigen Kontext. So prüfte John Wesley in Oxford Theologie und Praxis der Anglikanischen Kirche, die in Dogma und Struktur an Lebendigkeit verloren hatte. Er bildete kleine Gruppen von bibelzentrierten Christen, um die Inspiration des Heiligen Geistes aus den Worten der Schrift in deren ganzem Leben wirksam werden zu lassen. Dabei knüpfte er direkt an Martin Luther an, wie dieser das Evangelium wieder entdeckt und in den Mittelpunkt des
Lebens der einzelnen Personen, der Kirche und der Gesellschaft gestellt hatte.1

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Katja Strobel: Religion und Gesellschaft – aktuelle Debatten innerhalb der LINKEN aus feministischer Perspektive.

Ein Kommentar

Der Antrag „Liberté, Egalité, Laicité“ des Landesvorstands der sächsischen LINKEN ist nur ein Beispiel für weit verbreitete undifferenzierte ‚linke‘ Religions und Kirchenkritik. Auch feministische Argumentationen folgen oft diesem Muster. Im Folgenden ein paar Aspekte aus feministischbefreiungstheologischer Sicht dazu.

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