Viola Schubert-Lehnardt: Rezension:Religionspolitik heute.

Daniel Gerster/Viola van Melis/
Ulrich Willems (Hg.)
Religionspolitik heute.  
Problemfelder und Perspektiven 
in Deutschland. 
Herder Verlag Freiburg i.B. 2018, 
ISBN 978-3-451-37807-2, 463 S.

Aus zahlreichen Gründen wird derzeit in Deutschland sehr häufig über Religionspolitik diskutiert – die Zunahme von AnhängerInnen nichtchristlicher Religionen und damit Frage nach deren Rechten und Möglichkeiten zum Leben ihrer Traditionen – ebenso wie die von zunehmend mehr nichtreligiösen Menschen; Forderungen nach Ende der Staatsleistungen an die Kirchen, nach Beendigung von Abweichungen des kirchlichen Arbeitsrechts vom allgemeingültigen Recht in Deutschland etc. Das Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität München hatte dazu 2016 eine inter- und transdisziplinäre Vorlesungsreihe durchgeführt, die mit vorliegendem Buch fortgeschrieben wird.

Der Band enthält 4 große Abschnitte: 1. Geschichte und Merkmale deutscher Religionspolitik im internationalen Vergleich; 2. religionspolitische Diskussionsfelder (Religionsfreiheit, Körperschaftsstatus, Wohlfahrtsstaat, Arbeitsrecht, öffentlich-rechtlicher Rundfunk); 3. aktuelle religionspolitische Konflikte (Moscheekonflikte, Burka als Herausforderung, Schutz der Religion versus Meinungsfreiheit, Beschneidung); 4. religionspolitische Akteure und ihre Positionen (Parteien, religions- und Weltanschauungsgemeinschaften). Nicht nur die Vielfalt der Stimmen macht es spannend, die verschiedenen Positionen zu lesen, sondern auch, dass häufig mit Kommentaren zum vorangegangenen Beitrag gearbeitet wird. Dem geschuldet sind im ersten Teil eine Reihe von Wiederholungen zur Geschichte der Religionspolitik in Deutschland, die teilweise ermüdend wirken.

Die Analyse der in den Programmen großer Parteien enthaltenen Standpunkte erlaubt Überlegungen dazu, welche religionspolitischen Initiativen in den nächsten Jahren zu erwarten sind.

Am spannensten zu lesen sind die Analysen zu den aktuellen Diskussionsfeldern. Hervorhebenswert ist die m.E. sonst kaum zu findende Untersuchung zur Medienpolitik hinsichtlich zu Rundfunk und Fernsehen. Diese Problematik wird gesellschaftspolitisch derzeit kaum diskutiert, insofern sind dieser Thematik zu Recht zwei Beiträge gewidmet. In den Texten wird u.a. berechtigt auf die fehlende Präsenz von Vertretern nichtchristlicher Religionen in Beiträten etc. eingegangen und diese Praxis kritisiert, die gleichfalls fehlende Präsenz von VertreterInnen humanistischer/säkularer Organisationen wird jedoch noch nicht mal erwähnt. Zu Recht kommt Michael Bauer in seinem Beitrag aus Sicht humanistischer Organisationen daher zu dem Schluss, dass „Gleichberechtigung auf vielen Feldern noch nicht gegeben (ist)“ (S. 417). Auch Hartmut Kress mahnt Veränderungen vor allem im kirchlichen Arbeitsrecht an.

Kurz und prägnant ist die Beschreibung der verschiedensten muslimischen Organisationen durch Mohammad Dawood Majoka. Sie verdeutlicht einmal mehr, warum bisherige Versuche, den Isam in Deutschland mit anderen Religionen gleichzustellen, kaum erfolgreich waren.

Das Buch gibt insgesamt einen sehr guten Überblick zu derzeitigen Standpunkten von VertreterInnen großer Parteien bzw. Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften und erlaubt dank eines umfangreichen wissenschaftlichen Apparates die weitere eigene Arbeit zu den aufgezeigten Fragestellungen.

 

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