Viola Schubert-Lehnardt Rezension: Die Kirche im Kopf

Carsten Frerk/Michael Schmidt-Salomon Die Kirche im Kopf.
Von „Ach Herrje!“ bis „Zum Teufel“ 
Alibri Verlag, Aschenburg 2007, 
ISBN 978-3-86569-024-1, 286 S

Achtung, dieses Lexikon dient der Gehirnwäsche“ – lautet der einleitende Satz dieses Buches– so dann wird jedoch erläutert, dass das Wort „Gehirnwäsche“ nicht im Sinne destruktiver Manipulation verwandt werden soll, sondern in der Bedeutung von „gründlicher Reinigung“, denn schließlich wäre nicht einzusehen, dass man allen anderen Organen jede erdenkliche Pflege angedeihen lasse, nur dem wichtigsten nicht, dem zentralen Nervensystem! (vgl. S. 5) „Wie mit einem Computer-Virenschutzprogramm“ soll das Buch „nach Überresten religiöser Viren in unseren Köpfen“ fahnden und „unerwünschte Einträge aus der mentalen Matrix“ löschen (S. 7). Insofern erhebe dieses Lexika im Unterschied zu anderen auch nicht den Anspruch weltanschaulich neutral zu sein – will jedoch die Fakten unverzerrt präsentieren. Die Beurteilung der Fakten selbst erfolge aus „einer dezidiert freigeistigen, humanistischen Perspektive“ – so die Herausgeber in ihrem Vorwort (S.8). Sie wünschen dann eine vergnügliche Lektüre – dieser Wunsch ging zumindest für die Rezensentin in hohem Maße in Erfüllung.

In alphabetischer Reihenfolge werden zunächst Wörter, Flüche, Redewendungen aus demreligiösem Kontext erläutert – diese kann frau in der vorgegebenen Reihenfolge mit großem Gewinn einfach hintereinander lesen oder nach dem Stichwortverzeichnis (welche Wohltat, dass diese gute alte Tradition wissenschaftlicher Bücher hier beibehalten wird) gezielt aufsuchen sowie mit Hilfe der angezeigten Verweise vertiefen. Dadurch erfährt man nicht nur, warum die verschiedenen Haarwuchsmittel so wenig gegen Glatze ausrichten (S. 41); warum eine Schulstunde in Deutschland 45 Minuten bedeutet (S. 110), der Strohsack heilig sein soll (ebd.), die Bedeutung von Namen (S. 222) oder Zahlen (S. 262).

Im zweiten Teil (hier „Hauptwaschgang“ genannt) werden komplexe Begriffe wie Schuld, Sexualität, Willensfreiheit u.a.m. erläutert. Diese Begriffe haben sowohl einen weltlichen wie einen religiösen Hintergrund, allerdings werde ersterer häufig von letzterem überlagert. Da das Buch auch über ein exzellentes Quellenverzeichnis verfügt, kann die jeweilige Interpretation stets überprüft werden.

Insofern ist diese Lektüre nicht nur für vergnügliche Stunden einer breiten Leserschaft geeignet, sondern ebenfalls als Nachschlagewerk für Religions- oder EthiklehrerInnen. Es sollte zum Standardsatz jeder Schulbibliothek gehören – dieses „Wort in Gottes Ohr“!

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