Viola Schubert-Lehnardt Rezension Philosophische Religionskritik

Horst Junginger Richard Faber (Hrsg.) Philosophische Religionskritik. Von Cicero und Hume über Kant und Feuerbach bis zu Levinas und Habermas Verlag Königshausen & Neumann Würzburg 2021 ISBN 978-3-8260-7342-7 250 S.

Der vorliegende ist der erste Band einer Triologie „Religionskritik in Geschichte und Gegenwart“ – erfreulicherweise sind die Inhaltsverzeichnisse der beiden folgenden Bände schon mit angegeben. Die Mehrzahl der Beiträge, so die beiden Herausgeber im Vorwort, sind aus einer Ringvorlesung gleichen Namens hervorgegangen. Dies erklärt die etwas eigenwilllige Auswahl der vorgestellten Protagonisten – nach Feuerbach folgt nicht etwa Marx, sondern Sartre. Die Religionskritik von Karl Marx taucht in allen drei Bänden nicht auf. Die Herausgeber sind sich dieser Fehlstelle sehr wohl bewusst und verweisen auf S. 15 auf eine noch folgende Tagung bzw. Publikation zu „Marx und Engels, Marxismen(-Leninismen) und die Religion(en). Die Leserschaft darf also auf die Weiterführung dieses Projekts gespannt sein (und zur Tagungsteilnahme im Juni 2021 an der Uni Leipzig angeregt werden). Dort wird es hoffentlich nicht nur um die Junghegelianer, Marx und Lenin gehen, sondern auch um die weitverbreitete Religionskritik in den ehemals sozialistischen Staaten Europas.

Neben diesem Desiderat fehlen leider auch ein Sach- und Stichwortverzeichnis – dies lässt sich angesichts der ausführlichen Gliederung noch verschmerzen – weniger jedoch, dass Kurzvitas der AutorInnen fehlen.

Doch genug dazu, was fehlt – wenden wir uns den Inhalten zu. Besprochen werden im vorliegendem Band die Antike Religionskritik (Cicero), die mittelalterliche sowie neuzeitliche (Hume, Voltaire, Bossuet, Madame de Stael), die schon genannten Feuerbach und Sartre sowie Foucault.

In seiner Einleitung unterteilt Horst Junginger die Religionskritik (die er in systematischer Form erst im frühen 17. Jahrhundert verortet) in vier Arten: 1. Kritik an fremden Religionen 2. Kritik an der eigenen Religion (beides Formen religionsinterner Kritik) 3. Weltanschauliche Religionskritik 4. Wissenschaftliche Religionskritik (letztere Formen blicken von außen auf die Religion). Leider wird dieses Schema weder von den folgenden AutorInnen aufgegriffen, noch erläutert Junginger warum die z.B. die weltanschauliche Religionskritik nicht auch eine wissenschaftliche sein kann (die gleiche Frage liese sich bezüglich der beiden erstgenannten Formen stellen).

Einen Hinweis auf die Ursache dafür gibt er mit der Beschreibung der Schwierigkeiten von Religionskritik im universitärem Rahmen (S. 30f). Noch deutlicher wird dies im Nachruf für den österreichischen Theologen und späteren Religionswissenschaftler Adolf Holl – dem Stifter der ersten deutschlandweiten Professur für „Religionswissenschaft und Religionskritik“ an der Universität Leipzig (seit 1. Januar 2018). Hatten doch zunächst zahlreiche Universitäten eine solche Professur schlicht abgelehnt – trotz damit verbundener Gelder in Zeiten knapper Kassen.

Umso wichtiger ist der letzte Beitrag von Ralf Schöppner, der herausarbeitet, warum Religionskritik das Verbindende und Gemeinsame von Nichtreligiösen, Religiösen und Diversen (Menschen) angesichts Klimawandel, Armut, Flucht, Migration, Fundamentalismus, Pandemien, Kampf gegen rechte politische Kräfte sein könnte.

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